Paris: Ist sie zu teuer, bist du zu arm

Schön für Touristen - Teuer für Bewohner. Straßenkreuzung im 17. Arrondissement von Paris.

Paris  – reich und reich gesellt sich gern? Dieser Frage ging die Zeitung Lemonde in einem Interview mit den Soziologen Monique Pincon-Charlot und Michel Pincon nach. Dem politischen Spektrum der antikapitalistischen Linken zuordenbar, beschäftigen diese sich mit sozialer und urbaner Segregation.

Die Bevölkerungsschicht hat sich seit 1954 drastisch verändert. Waren es damals noch 34,5 Prozent der Bürger in mittleren oder höheren Berufen, so sind es in 2010 schon 71,4 Prozent gewesen. Dies liegt zum einen an der Entindustrialisierung seit 1962, den Banlieues und der globalen Bedeutung Paris als Finanzsektor.

Reich und Reich bleibt unter sich. In den “Beaux Quartiers” wie dem 16. und 17. oder Vororten wie Neuilly sur Seine, der reichsten Stadt Frankreichs, bilden sich eigene Welten und damit auch ein Graben zwischen den Armen und Betuchten.

Caption of a courtyard in the neighboorhood of "Batignolles" in the 17th Arrondissement. The building is made of orange bricks and is quite dense. More then 6 storeys high the three buildings are filling the entire image.
Gestapeltes Wohnen für Gutverdiener – Gebäude im 17. Arrondissement von Paris, Frankreich. (Foto/ Urbanauth)

Während Paris als kulturelle Hauptstadt seinen Bewohnern viele Spektakel, Ausstellungen und Ausgehmöglichkeiten bietet und im Index der Städte mit den besten Lebensstandards an erster Stelle fungiert, sieht dies ein paar Schritte hinter dem Périphérique schon anders aus:

In Saint Denis, nördlich von Paris, verdient ein Pärchen durchschnittlich 2154 € im Monat. Singles schneiden dabei mit 1487 € am besten ab und leben dennoch am Minimum.

Die Zeitung La Gazette des Communes ging der Frage nach, inwiefern Ungleichheiten im Großraum des Grand-Paris existieren und fasste diese in einer Karte zusammen. In den Banlieues Argenteuil, Aulnay-sous-Bois, Montreuil und Saint Denis herrschte Ende 2015 eine Armutsquote von mindestens 20 Prozent. Saint-Denis vor allen Anderen an der Spitze mit einer Quote von 35%. Der Anteil an Sozialbauten liegt dort bei ungefähr 33 Prozent.

Diese stehen in einem krassen Gegensatz zu den Gebieten im Westen von La Defense, in der mehr als die Hälfte der Kommunen die gesetzlich vorgeschriebenen Quoten von 20-25 Prozent Sozialbauten nicht einhalten. Stattdessen ziehen es Vororte wie Neuilly Sur Seine mit einem Anteil von 5% lieber vor, Strafen zu zahlen und ihre Homogenität zu bewahren.

Nach Paris die Banlieues?

The building situated in Saint Ouen is freshly built and part of a bigger renovation and revitalisation of urban spaces in the suburbs of Paris. Specially with the rising housing prices, many people from the middle class are driven out of the capital.
Neubaugebiet “Les Docks” in St. Ouen (93), einer Banlieue von Paris, welche immer interessanter für Investoren wird. Die Olympischen Spiele 2024 und der eröffnete neue Justizpalast Porte de Clichy tragen dazu bei. (Foto/ Urbanauth)

Im Hinblick auf das Grand-Paris und dessen Ausbau der Infrastruktur fragt man sich, inwiefern die Banlieues gentrifiziert werden. Auch wenn bisher einige Kommunen, vor allem im Norden, Maßnahmen ergriffen haben, um eine Diversität in der Bevölkerung zu erhalten, zieht es inzwischen viele Studierte aus der mittleren Schicht in die Vororte.

Nicht umsonst zeigt sich das linke Medium Streetpress besorgt über die Entwicklungen in der Seine Saint Denis im Schatten der Olympischen Spiele 2024. So wurden zum Beispiel Geschäftsgebäude, eine Unterkunft für Studierende sowie für Binnenarbeiter zerstört. Während die Firmen und Studenten umzogen, ist dies nicht der Fall für die Binnen-Arbeiterunterkunft. Diese welche seit 1972 ausländische Arbeitskräfte beherbergte, wird durch einen Sozialbau ersetzt. Doch auch die magnetische Anziehungskraft der Olympischen Spiele auf Investoren ist eine entscheidende Frage. Wir berichteten über JPMorgan und seiner Initiative AdvancingCities.

So soll das Olympische Dorf, welches mit 17.000 Betten eine Großzahl der Olympiaten beherbergen wird, später in 22.000 Wohnungen, 900 Studentenunterkünfte und 100.000m² kommerzielle Flächen umgewandelt werden. Die neu geschaffenen Wohnungen werden dabei als Eigentumswohnungen mit Standing vermarktet und wohl für die durchschnittliche Bevölkerung der Seine Saint Denis nicht bezahlbar sein.

Dublin: Gegen Mietenwahnsinn und Immobilienhaie: Besetzen?

Protesters of the Take Back the City Dublin movement are walking down the street. A girl is holding a megaphone. The activists militate for a right to housing.

Irland. Leerstand, teure Mieten und Slumlords treiben immer mehr Menschen in die Wohnungslosigkeit. Vor allem Dublin ist betroffen. Diesen Sommer begannen verschiedene Graswurzel-Initiativen sich zu wehren und auf die Missstände hinzuweisen. Der Hintergrund zu einem Sommer der Hausbesetzungen:

Wiliam Murphy, Fotograf aus Dublin, lebte 1979 in San Jose, Kalifornien, als er an einem Wochenende San Franscico besuchte und zum ersten Mal in seinem Leben, Obdachlosigkeit auf den Straßen erlebte.

Für Ihn – schockierend und ungewöhnlich, denn 1970 war es in Irland üblich, dass der irische Staat Menschen ein Dach über den Kopf gewährleistete. Viele Kollegen von ihm lebten in Cremlin, Bellyfermon und Cabra. Dies sollte sich jedoch ändern, als der Staat den Bau und die Instandhaltung von Sozialwohnungen an den privaten Sektor abgab.

Portobello, Dublin 2, Richmondstreet South- Eine Gegend mit vielen verfallenden Häusern. Manche von Ihnen werden vorübergehend genutzt. Im Bild ein Hof in dem Foodmarkets veranstaltet  sowie Außenwände Graffiti-Sprühern zur Verfügung gestellt werden. (Photo by: William Murphy / CC BY-SA 2.0)

Nach seiner Rückkehr nach Dublin begann ihm ab 2007 die steigende Zahl Menschen, welche im Zentrum vor der Ladenzeilen schliefen, aufzufallen. In seinem professionellen Umfeld stieß er dabei auf taube Ohren, da ihm seine Arbeitskollegen entweder nicht glaubten, oder behaupteten es wären Drogensüchtige. Doch seitdem hat sich das Problem verschärft, bis hin zu einem Stand, an dem es nicht mehr möglich ist das Problem der Obdachlosigkeit herunter zureden.
Dank seiner Auslandserfahrung stellt Murphy Parallelen zur Wohnsituation zwischen San Franscico und Dublin fest. Denn beide Städte seien seiner
Meinung nach für normale Menschen nicht erschwinglich. Unter anderem da sich nur Angestellte der Hightech-Sparte Neubauwohungen leisten können.
Das derzeitige Obdachlosigkeitsproblem hinterlässt bei ihm einen bitteren Nachgeschmack. Vor allem da er vor fünf Jahren selbst von einer Hypothekenzahlung betroffen war und kämpfen musste, seine Schulden abzuzbezahlen. Murphy archiviert mit seiner Kamera die Straßen des heutigen Dublins.

Als ich Anfang Juli diesen Jahres in Dublin war, erfassten drei Sachstände meine Aufmerksamkeit: Zum Einen die vielen Touristen und Sprachstudenten, welches ein ausgelassenes Leben, zwischen Englisch-Lernen und Bar Hopping führten. Und zum Anderen die hohe Zahl an Obdach- und Wohnungslosen, welche in einem Gegensatz zur riesigen Anzahl, leerstehender und verbarrikadierter Häuser standen.

 

Leerstand soweit das Auge reicht – Ardee Street, Dublin 8. (Photo by William Murphy / CC BY-SA 2.0)

Laut der Wohltätigkeitsorganisation Focus Irland sowie staatlichen Erhebungen, lag 2014 die Zahl der Obdachlosen Menschen in Irland knapp unter 4.000. So stieg sie innerhalb von vier Jahren auf fast 10.000 an. Betroffen sind Einzelpersonen und Familien in privaten Mietverhältnissen.  Im Oktober suchten 1700 Familien eine Notunterkunft auf, darunter 3725 Kinder.

Doch die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich wesentlich höher, da viele Personen durch das soziale Netzwerk von Freunden und Bekannten aufgefangen werden ( – Couch surfing). Diese werden jedoch nicht in den Statistiken erfasst.

Die Wohnungsnot hat sich seit der Wirtschaftskrise in 2008 stetig verschlimmert. Unter anderem zwecks der legislativen Entscheidung Gelder für  Sozialwohnungen zwischen der Krise und 2014, um 72 % zu kürzen und auf Private Vermieter zu setzen. So fiel das Budget von 1,34 Milliarden auf 390 Millionen.

Keine Wohnungen trotz grassierendem Leerstand

Poster-Aktion des Irish Housing Networks (Photo by: Irish Housing Network)

2015 erstellte der Dublin Inquierer eine erste unvollständige Karte leerstehender Gebäude. Diese weist bereits eine Anzahl von 389 vermerkten Einheiten auf.

Der Leerstand ist leicht zu erkennen – zwischen  den verbarrikadierten Fenstern, verfallenden Fassaden und hohen Absperrungen. Als im darauf folgendem Jahr die Housing Agency einen Bericht zum Leerstand veröffentlichte, in dem für Dublin 38.000 leerstehende Objekte verzeichnet waren. Seitdem verringerte sich die Zahl dem TheGuardian zufolge auf 30.000 leerstehende Objekte für 2018. Dennoch wuchs die Obdachlosenszahl

Doch die betroffenen Bürger geben sich nicht geschlagen und beginnen mit kreativen Methoden auf den Missstand hinzuweisen. So zum Beispiel das Irish Housing Network (IHN), einem Dachverein von 14 Graswurzel-Initiativen welche sich für bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum einsetzen. Im Sommer riefen sie dazu auf, in ganz Irland Leerstand mit gelben Plakaten zu markieren. Auf gelbem Hintergrund darauf zu sehen, die Umrisse einer Familie unter einem Dach und dem Schriftzug: “Schande über dich – Dies könnte ein Zuhause sein”.

Das Problem der leerstehenden Gebäude, welche entweder in einem sehr schlechtem Zustand sind und seit Jahren auf eine Neuentwicklung warten oder aus spekulativen Gründen ungenutzt bleiben, prägen die städtische Landschaft. Dublin mit seinen hohen Mieten ist lukrativ für Immobilienhaie, welche durch den Leerstand die Preise in die Höhe treiben lassen.

Anbieter wie AirBnB nehmen ebenso den Iren Wohnraum weg, da sich die Eigentümer neben einer hohen Gewinnspanne, nicht an das klassische Mietrecht halten müssen.  Vor allem Dublin, als Universitäts – und Sprachschulenstadt ist davon betroffen. Doch die von InsideAirBnB gelisteten 1300 Ferienwohnungen sowie 1100 Zimmer sind nur die Spitze des Eisberges.

In den Fängen der irischen “Marchands de sommeil”

Besonders schlimme Landlords sind im Sprachgebrauch unter dem Begriff Slumlords verpöhnt. Sie sind die irische Version der französischen “Marchands de sommeil” (Schlaf-Händler). Diese Miethaie vermieten Zimmer mit sechs bis acht Betten für bis zu 450  Euros  pro Kopf. Meistens betrifft dies Menschen in prekären Situationen, welche nicht die Möglichkeit besitzen, sich zu wehren. Diese überfüllten Schlaf-Unterkünfte werden nicht von den Slumlords instand gehalten. Brandschutzmängel und Schimmel an den Wänden gehören zum Alltag.

Wer in solch einem dubiosen  Mietverhältnis landet, bekommt selten das vorgeschriebene Mietbuch ausgehändigt. In diesem müssen die Personalien des Eigentümers vermerkt sein, sowie eine Auflistung der vergangenen Mietpreise aufweisen. Es soll Mieter vor Willkür schützen, doch mangels einer rigorosen Umsetzung, wird diese Vorschrift in vielen Fällen missachtet. Die Betroffenen befinden sich dabei in einer Zwickmühle, da sie auf eine Unterkunft angewiesen sind und nicht immer die Möglichkeiten haben, ihre Recht geltend machen zu lassen.

Eine kleine Twitter-Umfrage der Dublin Central Housing Action welche sich für Menschen in Wohnungsnot einsetzt und Teil der TBYCDUblin-Bewegung (“Take Back Your City Dublin”) ist, ergab das von 650 Befragten ganze 87 % kein Mietbuch erhalten hatten:

Slumlords und Miethaien entschlossen gegenübertreten

Slumleaks ein Kollektiv von Betroffenen hat sich unter dem Motif: “Exposing Irish Slumlords” zusammengeschlossen und berichtet regelmäßig über Schikanen, Gewaltandrohungen und Vertreibungsaktionen durch gewissenlose Slumlords. Der Fall Paul Howard Tenant#1 gibt Einblicke in den Alltag des Miethaies Paul Howard:

Die sechs Mieter am Mountjoy Square in Dublin 1, befanden sich Ende letztens Jahres plötzlich auf der Straße, als sie sich am 13. Dezember aus ihrer Wohnung ausgeschlossen vorfanden. Der Eigentümer hatte das Schloss der Haustür ausgewechselt und ihre ganzen Habseligkeiten in Plastiktüten auf die Straße gestellt. Zuvor waren sie gegen ihren Vermieter vor Gericht gegangen. Der Zustand der Wohnung, mit einem kaputten Fenster und Schimmel an den Wänden, sowie die willkürliche Mieterhöhungen von 650 auf 750 Euros, war unerträglich geworden. Die im Winter stattgefundende Vertreibung, stuft Slumleaks als illegal ein.

So schilderte einer der Betroffenen von Mountjoy Square gegenüber Slumleaks folgendes über die Zahlung der Miete: “Jeden Monat sammeln wir unsere Miete ein und Paul Howard oder einer seiner Freunde kommt vorbei, um sie einzusammeln – Insgesamt 4200 € in bar. Manchmal verlangt er auch, dass wir die Miete direkt zu seinem Waschsalon in die Talbot Street 60 bringen.”

Dublins Antwort auf die Krise: #besetzen

“Homes not Hostels” – Direct Action um auf Wohnmissstand aufmerksam zu machen. (Photo by: Opendemocracy)

 

Die Aktivisten der Graswurzel-Bewegungen bedienen sich Direct-Action-Methoden, um auf den Missstand aufmerksam zu machen. So gehören Plakatier und Banner-Aktionen, genauso wie regelmäßige Essensausgaben und temporäre Besetzungen zum Inventar der fest entschlossenen Aktivisten. Direct-Action, welches auch als Synonym für zivilen Ungehorsam verstanden werden kann, beschreibt die Möglichkeiten durch pazifistische Ansätze auf gesellschaftliche Probleme hinzuweisen und Debatten anzustoßen. Wie im Fall vom “Take Trinity Back”, einem Studentenprotest der im März ausbrach:

Die Leitung des Trinity Colleges hatte beabsichtigt, zusätzliche Kosten von 450 Euros für das Wiederholen von Prüfungen einzuführen. Daraufhin protestierten die Studierenden und besetzten die historische “Dinning Hall” für drei Tage. Als die Besetzung aufgelöst wurde, kamen 1000 Studenten und bejubelten ihren Kommilitonen zu. Die Universitätsleitung schlug einen versöhnlichen Ton an und ließ von seinem Vorhaben hab. Die Besetzung des Universitätsgebäudes wirkte wie ein erster Windstoß, der sich auf die Straßen von Dublin ausbreiten sollte. Der Frühling war zu Ende, doch brodelte es bereits an anderen Ecken…

Der Beginn eines Sommers der Besetzungen

Mai. Ein paar Blocks vom Mountjoy Square entfernt: Die Bewohner von fünf Häusern in der Summerhill Parade 33-39, Dublin 1, werden aus ihren Zimmern vertrieben. Diese welche sich mit bis zu zwanzig anderen Personen die Unterkunft pro Reihenhaus teilten und zu einem großen Anteil brasilianischer Herkunft sind, waren im Gespräch mit der Irish Times nicht in der Lage den Eigentümer der Häuser zu nennen. Die Bewohner wurden von verschiedenen Graswurzel-Initiativen unterstützt, darunter die “Dublin Central Housing Action”,”Take back Trinity”, “Brazilian Left Front” und vier weiteren lokalen Bewegungen.

7. August – Aus Protest beginnen die Gruppen Summerhill Parade 35 zu besetzen und mit Ständen vor den Häusern auf auf die lokalen Wohnprobleme aufmerksam zu machen.

Bereits seit Monaten organisierte die Dublin Central Housing Action eine Facebook-Kampagne gegen Pat’ODonnel. Dieser und seinem Investement-Fond, der “Co Ltd Retirement and Death Benefit Plan” – einer Pensionskasse von 67 Mitgliedern.  Gegenüber der Irish Times verneinte ein Sprecher Anfang August, dass den ODonnels die Grundstücke in der Summerhill Parade gehörten. Jedoch reichte Pat’ODonnel Mitte August, im Namen seines Pensionsfonds Klage gegenüber den Besetzern ein.

Im Video wird die Hausbesetzung offiziell verkündet. In einem Abschnitt fordert ein Aktivisten das Vorkaufsrecht der Stadt ein:

“Genug ist Genug.
Pat O’Donnel soll nicht weiter diese Häuser besitzen.
Mietpreissteigerungen, Räumungen, schlechte Wohnbedingungen, Menschen die in überfüllten Häusern auf Stockbetten untergebracht sind, die in Hostels und Hotels oder auf der Straße übernachten. Wir hören jeden Tag von Jemandem der von diesen Umständen betroffen ist.
Doch es gibt keinen wirklichen und bedeutungsvollen, politischen Willen die Wohnkrise anzugehen. Unsere Forderung ist es, dass die Immobilien von Pat’Odonnel an der Summerhil Parade von der Stadt gekauft werden und der lokalen Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.”

Den Worten wird kein Gehör geschenkt und zehn Tage später verlassen die Aktivisten in einem Demonstrationszug das Gebäude.

17. August – Das Gericht hatte die Räumung entschieden. 750 Meter und einige Straßenabbiegungen weiter, ziehen die Aktivisten der TBYC-Dublin   in einem Demonstrationszug daraufhin in ein leerstehendes Haus an der Frederick Street North 34. Dieses gehört einer Versicherungsfirma und steht seit drei Jahren leer.

25. August – Anlässlich des Besuches von Papst Franziskus in Dublin, rufen die Aktivisten einen Aktionssamstag aus, an dem das Haus ausschließlich von Frauen und Kindern besetzt ist. Dies verstehen die Aktivisten als Erinnerungsaktion, da in den Magdalenen-Wäschereien bis ins späte 20. Jahrhundert Alleinerziehende und ihre Zöglinge Zwangsarbeit verrichten mussten. Ein Volks-Trauma wofür sich der irische Staat erst in  2013 bei über 10.000 Personen entschuldigte.

Nach 25 Tagen – Die Räumung vor der Tür

11. September – Zwei Wochen zuvor hatte das Gericht abermals zu Gunsten der Landlords entschieden, doch das Haus blieb weiterhin besetzt. Immer mehr Menschen unterstützen die TBYCDublin. Als an einem Dienstag Abend gegen sieben Uhr  ein Sprinter ohne vorderes Nummernschild auftaucht. Vermummte Person treten aus dem Wagen und versuchen sich Einlass zum Haus zu verschaffen. Diese “privaten Sicherheitsleute” werden später von der Gardai, der lokalen Polizei, abgelöst.

Fünf der Aktivisten werden auf rabiater Weise auf das Polizeirevier an der Store Street gebracht. Angaben der Zeitung Thejournal zufolge, welche ausführlich über die Räumung berichtete, kamen bis zu 100 Demonstranten vor dem Haus zusammen. Später verlegte sich die Demonstration vor das Polizeirevier, woraufhin drei der Aktivisten freigelassen wurden. Das Hausprojekt jedoch wurde beendet.

Aus Solidarität mit der TBYCDublin kam es in ganz Irland zu Hausbesetzungen, wie zum Beispiel in Waterford, wo Aktivisten eine 24-Stunden Besetzung eines leerstehenden Gebäudes der Stadt abhielten.