Bern: Polizei stürmt Reitschule

The autonomous place Reitschule in Bern, Switzerland. The facade of the traditional building and once horse riding school is covered of street art.

Am Freitagabend des 23. November 2018 stürmten mehrere Dutzend Polizeikräfte den Innenhof des autonomen Berner Kulturzentrums Reitschule. 15 Männer erhielten eine Anzeige – 13 aufgrund des Verdachts auf Drogenhandel und zwei weitere, weil sie den Einsatz behindert haben sollen. Unter den Männern befanden sich neun Nigerianer und je ein Iraker, Syrier, Sudaner, Marokkaner und Äthiopier. Verhaftet wurden schließlich vier der Männer, jedoch wegen illegalen Aufenthalts in der Schweiz.

Die Berichterstattung der beiden Parteien könnte nicht unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite die Polizei, die von mehreren Personen spricht, welche sie bedrängt und im Einsatz behindert hätten. Eine unbekannte Person hätte sogar vom Balkon aus mit einer Steinschleuder auf sie geschossen. Die Mediengruppe der Reitschule hingegen behauptet, dass mindestens eine Person durch Gummigeschosse verletzt worden sei. Darüber hinaus sei der in der Reitschule befindliche Restaurantbetrieb „Sous le Pont“ stundenlang beeinträchtigt worden.

Dicke Luft herrschte aber schon zuvor. Bereits am 1. September 2018 kam es zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und Besuchern der Reitschule, wo die Polizei laut ihren eigenen Angaben mit Wasserballons beworfen und mit Feuerwerkskörpern, Eisenstangen und Flaschen angegriffen worden sei, nachdem sie in Vollmontur bei der Reitschule patrouilliert hatte. Die Reitschüler hingegen sagen aus, dass mit Gummischrot auf Kopfhöhe auf sie geschossen wurde. Das Gummischrot sei mit Smileys und anderen Beschriftungen versehen worden, was den Verdacht einer geplanten Eskalation untermauere, schreibt die Mediengruppe der Reitschule. So etwas mache die Polizei nicht, hält Polizeisprecherin Jolanda Egger dagegen, denn das würde ihren Grundsätzen widersprechen. Der Einsatz würde dahingehend von der Polizei überprüft werden.

Das nachfolgende Video zeigt eine den Einsatz filmende Person, die mit Pfefferspray besprüht wurde:

Ob der Verdacht einer geplanten Eskalation berechtigt ist? Die Polizei selbst spricht von ihrer Strategie als einer „präventiven Präsenzmarkierung“, die sie aufgrund von sich häufenden Fällen von schweren Körperverletzungen in städtischen Ausgehvierteln als für notwendig erachtet. 

Laut Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern und CVP-Politiker, ginge es nicht an, der Reitschule schlicht aus Angst vor Eskalation aus dem Weg zu gehen. „Rechtsfreie Räume darf es nicht geben“, konstatiert er und betont, dass auch nach Ausschreitungen an der Strategie der präventiven Präsenz festgehalten würde. Nause erhielt übrigens am selben Abend der letzten Vorkommnisse am 23. November, als er nach einem Konzert scheinbar zufällig auf dem Vorplatz flanierte, Hausverbot in der Reitschule. Worauf er mit Unverständnis reagiert: Schließlich würde der Staat das Kulturzentrum subventionieren, und überhaupt sei die Tatsache, aus einem öffentlichen Raum weggewiesen zu werden, ein Widerspruch. Dagegen kontert die Reitschule, dass das Stürmen eines Restaurantbetriebs auch nicht gerade von Toleranz und Dialog zeuge.

Im Zuge der Ereignisse wurde nicht zum ersten Mal der Wunsch nach Bodycams laut: die Minikameras am Körper der Polizisten sollen für transparentere Einsätze sorgen. Das Filmen im rechtlichen Rahmen ist  heute im Kanton Bern bei öffentlichen Veranstaltungen lediglich erlaubt, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür, dass es zu strafbaren Handlungen kommen könnte, vorhanden sind (so zum Beispiel bei unbewilligten Kundgebungen). Erst im April war eine unbewilligte Afrin-Kundgebung von der Polizei aufgelöst worden. Daraufhin hatte am 30. August 2018 das Berner Stadtparlament gegen den Willen Nauses eine unabhängige Untersuchung angeordnet.

Wer auch immer den ersten Stein geworfen haben mag: In der Bevölkerung gehen die Meinungen zum autonomen Kulturzentrum auseinander. „Schließt den Laden“, fordern diejenigen, welche in den Reitschülern vor allem nichtsnutzige Krawallbrüder sehen. Differenziertere Meinungen aber warnen vor der Verlagerung des Problems des Drogenhandels. Und was ist mit dem Straßenstrich neben dem Bundeshaus? Darüber würde auch niemand ein Wort verlieren, so die zynische Entgegnung eines anonymen Users. Die bisherigen Abstimmungsergebnisse sprechen eine deutlichere Sprache: Bereits fünf Mal hat die Berner Stimmbevölkerung über die Abschaffung des Zentrums abgestimmt, jedes Mal war sie dagegen. Das letzte Mal wurde der Verkauf des Gebäudes 2010 mit einer Mehrheit von 68.4% Stimmen abgelehnt. Ein klares Bekenntnis zu Toleranz und kultureller Vielfalt, freute sich Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). 

Berlin: Großeinsatz der Berliner Polizei in der Rigaer 94

Am 15. November 2018 kam es in Berlin zu einem Großeinsatz der Polizei im links-alternativen Milieu. Neben drei Wohnungen in Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain wurde ebenfalls die Rigaerstraße 94 durchsucht.

An dem Einsatz beteiligten sich zwischen 500-560 Polizisten. Mit Rammen, Kettensägen und Bolzen-schneidern ausgerüstet und schwer bewaffnet mit Sturmgewehren, stürmten sie morgens die Wohnungen auf der Suche nach sieben Tatverdächtigen. Vor allem die Rigaer 94, ein links-alternatives Hausprojekt in Friedrichshain, war davon betroffen.

Der Auslöser für diesen Großeinsatz durch die “Direktion 5” der Berliner Polizei war ein gewalttätiger Angriff auf einen Kioskbesitzer in Kreuzberg. Dieser wurde nach einer Auseinandersetzung mit einer Frau im Mai von Vermummten verprügelt.

Das Großaufgebot der Polizei wirft die Frage nach dessen Verhältnismäßigkeit auf. Denn über 500 Polizeibeamte im Einsatz für sieben Tatverdächtige scheint in keinem Verhältnis zum Grund der Durchsuchung zu stehen. Die Meinungen gehen hierbei auseinander. So berichtet die Berliner-Zeitung, dass SPD Innensenator Andreas Geisel jeglichen Vorwurf  politischer Gründe von sich weise und diesen Einsatz als eine Ermittlung im kriminellen Milieu sehe. Der TAZ zufolge begründet er den Großeinsatz damit, man müsse: “klarmachen, wer hier als Sieger vom Platz geht”.

Im Gegenzug werden Stimmen laut, dass sich die Stadt einen Überblick über das autonome Hausprojekt machen wollte. Aktuell sind einige autonome Hausprojekte in Berlin von Räumungen bedroht.

Der ersten Polizeioffensive folgte einige Tage am Dienstag eine weitere, Kleinere. Diesmal mit 30 Beamten wegen einer brennenden Tonne. Der Auslöser war das Erscheinen des Fachanwaltes für Verkehrsrecht M. Bernau. Dieser vertritt den Eigentümer der Rigaer 94, die Lafone Investment Ltd. mit Sitz in London. Von Bauarbeitern begleitet hatte er gedroht, Eingangstüren zum Gebäude und den Treppenhäusern zu demontieren.

Paris: Graffiti-Eldorado at subway line 12

Paris: Graffiti-Eldorado of subway line 12

Paris subway line 12 – Colortime

While the adventurous used to travel to the Wild West in search of adventure, gold and wealth, today the most diverse graffiti artists and vandals are drawn to Paris. The reason?

The metro line 12 which crosses the city from the northern Banlieue Aubervilliers to the southern, Issy-les-Moulineaux. No matter if a graffiti on the Metro per day or five. In the train-yards of the 12 reigns a gold rush atmosphere.

In the search for the color on the panels of the Paris-Metro:

Graffiti OLMS Paris Metro Ligne 12

The subway line enjoys great popularity with the numerous local and international graffiti crews. From Reis (Lisbon) to RWS & ORF (Bonn) the wicked line 12 is a pilgrimage place of the Paris graffiti-scene.

And sometimes also an expression of their anonymous world of thoughts (“and how many times of misery and evil…”).

Et combien de saisons de misere et de galere…

Popular among the sprayers for its design are the MF67 models, which celebrated their first appearance between 1967 – 1978. The previously used Sprague-Thompson trains were replaced and the new models got introduced. The name derives from “Métro Fer appel d’offre 1967” (Iron-Métro call 1967). The Line 12 has 50 of the 138 MF-67 models in service.

The blue-green-white painting is typical for these older models of the Paris Métroparks. In the graffiti scene, world-famous for its graffiti aesthetics, it regularly draws crews from all over the world into the underground shafts of the Line 12 somewhere in the north of Paris. In the photo below you can see a graffiti of the Portuguese “Reis” crew. These are from Lisbon and means translated “kings”.

 

Paris: Graffiti-Eldorado Linie 12

Farbe ist das neue Gold

Zog es früher die Abenteuerlustigen in den wilden Westen auf der Suche nach Abenteuern, Gold und Reichtum, so zieht es heute die verschiedensten Graffitikünstler und -Vandalen nach Paris. Der Grund?

Die Metrolinie 12 welche Paris von der nördlichen Banlieue Aubervillier zur südlichen Issy-les-Moulineaux durchläuft.

Egal ob ein Graffiti auf der Metro pro Tag oder fünf. Im Zugdepot der 12 herrscht Goldgräberstimmung.

Auf der Suche nach der Farbe auf den Panels der Pariser Metro:

Paris: Ligne 12
Metrolinie 12 Dokumentation. (Photos by ErderWanderer I Urbanauth)

Die U-Bahnlinie erfreut sich großer Beliebtheit bei den zahlreichen heimischen Graffiti-Crews. Von Reis (Lissabon) zu RWS & ORF (Bonn) ist die verruchte Linie 12  ein Pilgerort des Pariser Graffitis.

Und so manches mal auch Ausdruck der Gedankenwelt (“und wie viele Zeiten der Misere und des Übels…“).

Et combien de saisons de misere et de galere…

 

Beliebt bei den Sprühern für sein Design sind die MF67-Modelle, welche ihr erstes Erscheinen zwischen den Jahren 1967 – 1978 feierten. Die zuvor genutzten Züge von Sprague-Thompson wurden abgelöst. Auf der Linie 12 sind 50 der insgesamt 138 MF-67 Modelle in Betrieb. Der Name ergibt sich aus “Métro Fer appel d’offre 1967″  (Eisen-Métro Ausschreibung 1967).

Der blau-weiße Anstrich ist typisch für diese älteren Modelle der Pariser Métroparks. In der Graffiti-Szene weltbekannt für seine Graffiti-ästhetik zieht es regelmäßig Crews von der ganzen Welt in die U-Bahnschächte der Linie 12 bei Porte de la Chapelle. Im unteren Foto ist ein Graffiti von der portugiesischen “Reis”-Crew zu sehe. Diese sind aus Lissabon und heißt übersetzt “Könige”.

Marseille: Häusereinsturz fordert acht Tote

A Street Art of Nelson Mandela in the neighbourhood of Noailles in Marseille. The neighbourhood is known for derelict housing.

„Es ist ein Wunder, dass es nicht jeden Tag Unfälle in Marseille gibt“, sagt ein anonymer Experte des TGI (Tribunal de grande instance de Marseille) unter Anderem in Bezug auf die Vorkommnisse am 05. November 2018 im Stadtteil Noailles, Marseille. Dort waren am Vormittag zwei marode Häuser eingestürzt, und hatten acht Menschen in den Trümmern unter sich begraben. Die Türen des ersten Hauses, welches bereits seit 2008 als baufällig eingestuft wird, waren zwar verriegelt oder zugemauert, doch von Nachbarn wird vermutet, dass sich Hausbesetzer dennoch einen Zugang verschafft haben. Im zweiten eingestürzten Haus, aus dem schon im September diesen Jahres Brocken der Fassade herausgebrochen waren, befanden sich neun Wohnungen, bewohnt von Paaren und Familien. Doch diese Häuser sind bei Weitem nicht die Einzigen, die sich in einem bedenklichen Zustand befinden. Eine staatliche Untersuchung des Jahres 2015 hat ergeben, dass 40‘000 Häuser (was circa 100‘000 Bewohner betrifft) „ein Risiko für die Gesundheit oder die Sicherheit“ darstellen. Im Stadtteil Noailles gelten gar 48 Prozent des Baubestandes als heruntergekommen und menschenunwürdig.

Der Zorn der Bewohner nimmt zu. Einerseits auf die Hausbesitzer, die selbst bei längst überfälligen Sanierungsarbeiten nur das Allernötigste zu tun pflegen; andererseits auf die Stadtverwaltung, die bei Renovierungsarbeiten der Häuser sowie auch beim Sozialwohnungsbau keinen Finger rührt. Am 14. November 2018 haben bei einem Protestmarsch mit etwa 8000 Demonstranten Bürger, soziale Organisationen und Interessenverbände der Opfer gedacht. 

Der Mangel an Sozialwohnungen sei es auch, was viele Menschen dazu zwänge, in baufällige Häuser zu ziehen, meint Florent Houdmon, der sich für die Stiftung Abbé Pierre im Grossraum Marseille gegen Armut und Wohnungsnot einsetzt. Solche Zustände gäbe es nirgendwo sonst in Frankreich. Dass ausgerechnet die Häuser der Armen einstürzen, sei kein Zufall, dessen ist sich auch der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon von France Insoumise sicher, wenn er die Gedanken zahlreicher Bewohner Marseilles ausspricht.

Eine technische Erklärung für die Einstürze könnten die Tage zuvor aufgetretenen Regenfälle sein, welche auch für die Risse in den Wänden und eine nicht mehr in den Rahmen passende Haustür verantwortlich gemacht werden. Dennoch erklärt dies nicht die fehlende Umsetzung des bereits 20 Jahre zuvor beschlossenen Grundsatzes zur Sanierung, wie Patrick Lacoste von der Bürgerinitiative „Ein Stadtzentrum für alle“ klar stellt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Jean-Claude Gaudin, seit 1995 Bürgermeister von Marseille, der aufgrund der Vorkommnisse stark kritisiert wurde, gab am Sonntag danach erstmals zu, nicht genug getan zu haben im Kampf gegen die heruntergekommenen Wohnverhältnisse. Einsicht als erster Schritt zur Besserung? Es wird sich zeigen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Vorfall ein einmaliges Exempel bleibt, welches die Stadtverwaltung zum Handeln bringt.

Singapur: Größtes künstliches Korallenriff ins Meer verlegt

In einer gemeinsamen Anstrengung der staatlichen Real Estate Firma JTC und dem Nationalparkamt von Singapur wurde in den Gewässern der Small Sister Insel, südlich von Singapur, das höchste künstliche Korallenriff installiert. So berichtet die Straitstimes, dass dieses Riff Teil von insgesamt 8 Korallenstrukturen ist, welche bis zum Ende des Jahres ins Wasser verlegt werden. Das Projekt wurde unter anderem durch die großzügigen Spenden von elf Unternehmen ermöglicht, welche insgesamt 290.000 $ beitrugen.

Das “Grow-a-Reef-Garden”-Projekt wurde im Mai 2018 verkündet, um die Korallenriffe um Singapur zu schützen und die maritime Biodiversität zu stärken. Die Erwartungen sind groß. Bis 2030 sollen diese künstlichen Riffe dem bereits bestehenden “Sisters’ Island Marine Park” ungefähr 1000 Quadratmeter Fläche hinzufügen. Diese 10 Meter hohen Installationen gleichen 3-stöckigen Reihenhäusern.

Die benutzten Materialien für diese Korallen-freundlichen Gebilde bestehen aus recycelten Baustoffen der JTC. Unter anderem wird eine Mischung aus Glasfaser, Stahl und Steinen verwendet. Diese sollen den Korallen durch eine raue Oberfläche ermöglichen, leicht ihre Wurzeln darin zu verankern.

So hob der Geschäftsführer des Nationalpark-Amtes Kenneth Er hervor, dass die maritime Biodiversität Singapurs ihr natürliches Erbe sei.

Das Umdenken ist auch dringend nötig, da Singapur über die letzten Jahre 60 Prozent seiner Riffe durch Neulandgewinnungen verloren hat. So wurde durch Aufschüttungen und künstliche Landverlängerungen viel maritime Natur zerstört. Hinzu kommt, dass 2016 durch eine zu lange andauernde warme Wassertemperatur ein Korallensterben eintrat, wodurch schätzungsweise ungefähr 15-20 Prozent der Korallen in Singapurs Wasser ausstarben.

Mumbai: Ein weiterer Meilenstein in Mumbais Metro-Projekt erreicht

Fake tunnel in the museum of mining in the german city of Bochum.

Die Vorderseite einer Tunnelbohrmaschine (TMB) in Seattle. Man gibt ihr auch den “The Mole”. (Foto by SoundTransit / CC by NC-ND 2.0)

Im Rahmen des “Underground Metro Project” der indischen Stadt Bombay wurde ein Meilenstein beim Bau der Metro (Linie 3) erreicht. Die Ankunft der 17. Tunnelbohrmaschine welche noch in den Boden verlegt werden muss, markiert den baldigen Beginn der Arbeiten. Diese werden von der “Mumbai Metro Rail Corporation Limited” (MMRC) ausgeführt.

Dabei sollen die Maschinen planmäßig gleichzeitig einen 54 Kilometer langen Tunnel zwischen Colaba und Bandra Seepz bohren.

Insgesamt soll die erste unterirdische U-Bahn-Linie Bombays 33,5 Kilometer lang sein und bis 2021 fertiggestellt werden.

Die Metrolinie wird das Geschäftsviertel Cuffe Parade (Colaba) am südlichen Zipfel von Bombay mit der Sonderwirtschaftszone SEEPZ im Norden verbinden. Es sind 26 unterirdisch verlaufende Ubahn-Stationen, sowie eine Überirdische für diese Strecke in Planung.

(Symbolbild) Nachbau eines Tunnels im Bergbau Museum Bochum. Am Ende des Tunnels ist die Rückseite einer  TBM zu sehen. (Foto by Daniel Mennerich / CC by ND-NC 2.0)

Die Kosten für den Bau der unterirdischen Metro Linie werden auf 3,2 Milliarden Dollar geschätzt. Die Linie 3 soll auf eine Kapazität von 1,39 Millionen Fahrgästen pro Tag ausgelegt sein und 1,2 Kilometer unter dem Mithi-Fluss verlaufen. Mit der Verlegung der letzten Tunnelbohrmaschine von 17, welche in Tiefen von 25-30 Metern positioniert werden, gab MMRC bekannt, dass sie so bald wie möglich mit den Arbeiten beginnen möchten.

So sollen bereits 10,7 Kilometer gebohrt worden sein.  Ob sich das Unternehmen an seine Zeitvorgabe halten kann?

Gujarat: Die weltgrößte Statue steht jetzt in Indien

Two important persons of Indias young history can be seen in this image. It's Jawaharlal Nehru and Sardar Vallabhbhai Patel.
Blick auf die Statue der Einheit. (Photo: Express Photo by Bhupendra Rana)

Ein Koloss der Einheit

In Gujarat, einem westlichen Bundesstaat von Indien, wurde diese Woche die “Statue of Unity” zum Tag der indischen Einheit am 31. Oktober eingeweiht. Das 182 Meter hohe Monument zeigt den indischen Gründungsvater Sardar Vallabhbhai Patel. Dieser wurde für seinen Einsatz für den Hinduismus von der hindu-nationalistischen Partei BJP geehrt, von der die Initiative zur Errichtung diesen Kolosses ausging. Die Eröffnungszeremonie, welche am Nationalfeiertag stattfand, markierte sowohl den Tag der Einheit, als sowohl auch Patels 143. Geburtstag.

In dem Video der Eröffnungsfeierlichkeiten sieht man Indiens Premierminister Narendra Modi (BJP) Blumenblüten auf die Zehen der Statue streuen. Von einem Männerchor begleitet führte er die Zeremonie  Rashtrapan Hetu Puja (“Kult des Nationalismus”) durch.

Die weltgrößten Statuen im Vergleich. (v.l.) Statue der Einheit, Frühlingstempel-Buhdda, Freiheitsstatue, Mutter-Heimat-Statue, Cristo Redentor, Davids-statue (Foto by Anna Frodesiak CC-BY-SA 3.0)

Ohne Sockel ist das fertige Monument doppelt so groß wie die “Statue of Liberty” in New York und überragt die zuvor weltgrößte Statue, den Frühlingstempel-Bhudda um 54 Meter. Diese steht in China und benötigte elf Jahre Bauzeit, im Gegensatz zur indischen, welche es in nur acht Jahren vom Konzept zur Realisierung schaffte. Dieses prestigeträchtige Bauwerk, wird von der New York Times mit einem Kostenpunkt von 400 Millionen US Dollar beziffert. Indien sendet damit ein klares Signal an seinen konkurrierenden Nachbarn China. Denn Indiens Nationalstolz ist über die letzten Jahre keineswegs kleiner geworden.

Die Statue wurde vom 93. jährigen Bildhauer Ram V. Sutar geschaffen und krönt seine 40-jährige Karriere, in welcher er ungefähr 50 monumentale Statuen entworfen hat.

Dazu zählen auch eine vier-Meter hohe Büste von Mahatma Gandhi in Bangalore, sowie das knapp drei Meter hohe Gandhi-Standbild am Parliament Square in London. Die Statue der Einheit sein herausragendstes Werk, stellt seine bisherigen Werke in den Schatten. Wie der Nachrichtendienst ndtv berichtet, wurden für die Fertigstellung 1700 Tonnen Bronze – davon 850 Tonnen für die Verkleidung – benötigt. So kam es, dass Sutar auf eine Gießerei in China ausweichen musste, um mit diesen Mengen fertig zu werden.

Die Kontroverse Patel/Nehru und Indiens Heldenkult 

In dem Bild (vor 1950) ist links Jawaharlal Nehru und rechts Sardar Patel zu sehen. Beide sind Gründungsväter des heutigen Indiens. (Foto by:  FlickrrWarrior, via Wikimedia Commons).

Als Indien seine Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht in 1949 erlangte, gab es neben Mahatma Gandhi der 1948 verstarb und Sadar Patel, eine weitere federführende Persönlichkeit. Jawaharlal Nehru dem ersten Ministerpräsident von Indien und im Volksmund als “Onkel Nehru” bekannt. Er vertrat einen modernen Sozialismus und befürwortete den Bau von Industrie, Schulen und Krankenhäuser, gegenüber den von Tempeln. Außerdem setzte er sich dafür ein, dass religiöse Minderheiten vor der hinduistischen Mehrheitsbevölkerung einen ausreichenden Schutz erhielten. Bei der breiten Bevölkerung war Nehru sehr beliebt und wird als ein Gründervater Indiens angesehen. Die Kontroverse zwischen Patel und Nehru begann mit den Hindu Code Bills, welche Nehru unterstützte und Patel rigoros ablehnte. Diese Gesetzespakete wurden 1952 und 1956 in Kraft gesetzt und richteten sich nicht nur an Hindus, sondern betraffen auch Sikhis, Jainisten und Buddhisten. Die Hindu Code Bills sprachen Frauen ein Scheidungsrecht und Recht auf Eigentum zu.

Die Entscheidung von 2010 diese extravagante Statue zu errichten, löste Unstimmigkeiten über die Deutungshoheit der BJP-Partei über Patel aus.  Diese und allen voran Narendra Modi, die treibenden Bauherren hinter diesem Prestige-Projekt, wählten nicht ohne Grund “den eisernen Mann” als Abbild der imposanten Statue. Zumal Patel damals dafür bekannt war, die indische Einheit gegenüber Briten und Fürsten mit eiserner Härte voranzutreiben.

Denn die BJP, bekannt als Befürworter rechtskonservativer, hindu-nationalistischer Werte strebt eine Bevorzugung von Hindus und ihren Traditionen gegenüber religiösen Minderheiten an. Diese Position erinnert an eine verwandte Position die Patel zu Lebzeiten vertrat. Jedoch wird sie von der Partei umgedeutet und Patels Abbild in einen nationalen Heldenkult gezwängt. In dieser Hinsicht verlangt der Kommentar Shri Narendra Modis Beachtung, welcher auf der “Statue of Unity”-Seite zu finden ist:

“The Statue will stand high, not just in meters and feet, but much more in terms of academic, historical, national and spiritual values. My vision is to develop the place as a source of inspiration for ages to come.

 

Das Ausmaß des kurzen Zitates sollte angesichts der bedeutungsvollen Ehrung Patels durch einen rechts-konservativen Hindu-Nationalisten nicht unterschätzt werden. Denn die Errichtung eines solch überdimensionierten Standbildes prägt nicht nur die umgebende Landschaft, sondern beeinflusst ihn erster Linie auch das Werteverständnis einer Gesellschaft. Nicht umsonst betont er die Nationalen und Spirituellen Werte, die der Bedeutung der Statue zuzurechnen sind.

Mit der Vollendung der Statue der Einheit, wartet auch schon das nächste Prestige-Objekt auf seine Fertigstellung. Dabei handelt es sich um das Reiterstandbild zu Ehren Chhatrapati Shivaji Maharaj, Kriegsfürst der Marathen. Dieser setzte sich im 17. Jahrhundert kämpferisch gegen die muslimische Mogulherrschaft und zunehmenden britischen Einflussnahme zur Wehr.  Von hindu-nationalistischen Parteien und Bewegungen wird er seit den 1980er Jahren als ein Vorkämpfer des Hinduismus idealisiert, der seinen Glauben gegenüber anderen Religionen verteidigte.

Dieses Monument, dessen Grundstein im Dezember 2016 gelegt wurde, soll bis 2024 fertiggestellt werden. Am 24. Oktober wurde, nach zwei Jahren Konzipierung der Beginn der Arbeiten verkündet. Die Statue, welche 212 Meter Höhe messen soll, wird auf einer künstlichen Insel an der südlichen Spitze von Bombay errichtet und ist ein weiteres ehrgeiziges Projekt von Modi. Angesichts der hindu-nationalen Agenda, welche die BJP-Partei vertritt, lässt dies nichts Gutes für Angehörige anderer gesellschaftlicher und religiöser Minderheiten erahnen. Und auch in Zeiten eines wirtschaftlich angeschlagenen Indiens – stellt sich die Frage, ob die Bevölkerung von dieser Art von Heldenkult profitieren wird, oder ihr ein weißer Elefant aufgebunden wird?

 

 

Hessen: Wasser in schlechtem Zustand

Sight on a river which is crowded by trees.

Der WWF warnt: Obwohl Hessen beim Grundwasserschutz zu den bundesweiten Vorreitern gehört, seien die Gewässer in schlechtem Zustand, verseucht von gesundheitsschädigendem Nitrat und Quecksilber. Hauptverursacher für einen schlechten Öko-Zustand sind Belastungen aus der Landwirtschaft und Begradigung, Verbauung sowie Unterbrechung durch Stauwerke. Er beruft sich auf eine Analyse offizieller Behördendaten. Die 91. Umweltministerkonferenz, die vom 07.11.2018-09.11.2018 in Bremen tagte, solle „den Gewässerschutz endlich ernst nehmen“, so WWF-Vorstand Christoph Heinrich. Und die Warnung des WWF ist nur die Spitze des Eisbergs: Wegen anhaltend hoher Nitratwerte im Grundwasser, hat der Europäische Gerichtshof Deutschland am 20.06.2018 verurteilt. Daraufhin hat die Bundesregierung eine neue Düngeverordnung verabschiedet. Ob das ausreicht? Karsten Specht, Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands meint, dass es zumindest ein Schritt in die richtige Richtung ist. Problematisch sei die Intransparenz, der ewige Kampf der Lobbyisten mit den politischen Akteuren, und mittendrin die Verbraucher. Wünschenswert wäre beispielsweise ein Modell wie jenes aus Dänemark, wo den Bauern eine bestimmte Menge an Dünger zum Gebrauch zugeteilt wird. Ein motivierender Grund, die Nitratbelastung zu senken, sind auch die ansonsten drohenden steigenden Trinkwasserpreise – ja, das Leitungswasser ist und bleibt trinkbar – doch Wasser von Nitrat zu trennen ist weder einfach, noch billig. Die Strafzahlungen an die EU-Kommission, falls sich die Lage nicht bessert, sind es auch nicht.

Duisburg: Autonom fahrende Binnenschiffe?

A ship called Daniel Mr Allister is in a river. The surrounding looks industrial.

Ist es ein Beitrag zur Lösung der Verkehrs- und Umweltprobleme? Bereits in 15 Jahren soll es autonom fahrende Binnenschiffe geben – so ließ dies am 31. 10. 2018 das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie des Duisburger Entwicklungszentrums für Schiffstechnik und Transportsysteme verlauten. Die Untersuchung  wurde für die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet erstellt. Mit seinen Kanälen und Häfen wäre das Ruhrgebiet ein optimales Testgebiet für selbstfahrende Schiffe.

Indem die Güter großer Rheinfrachter statt auf Lastwagen auf kleinere, selbstfahrende Schiffe umgeladen werden, würden die Chancen auf Wettbewerbsfähigkeit kleinerer Frachter erhöht werden, betont das Entwicklungszentrum. Doch es darf nicht vergessen werden, dass auch die Automobil-Industrie mit Hochdruck an autonomer Technik arbeitet. Und im Gegensatz zur Binnenschiffsfahrt wird die Autobranche von Milliardenkonzernen unterstützt.

Der Vergleich über die Jahre spricht ebenfalls eher gegen den Binnenschiffsverkehr: Letztes Jahr wurden 222 Millionen Tonnen über die Flüsse transportiert, vor zehn Jahren waren es noch fast 250 Millionen Tonnen. Im Jahr 2010 machte der Transport per Binnenschiff etwa 6% des gewerblichen Güterverkehrs aus, 9% wurden per Eisenbahn und 76% per Lkw befördert. Was den Eisenbahngüterverkehr angeht, so kann gesagt werden, dass dieser trotz jährlichem Wachstumsvolumen seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr richtig auf die Beine kommt.

Für Thomas Schlipköther, Vorstand des Duisburger Hafens für Technik und Betrieb, gibt es momentan ohnehin dringendere Probleme. So die extrem niedrigen Wasserstände, an die man sich anpassen müsse. Des Weiteren die Tatsache, dass heute noch immer viele Binnenschiffe mit alten Dieselmotoren durch die Flüsse tuckern. Ursula Heinen-Esser (CDU) forderte in diesem Zusammenhang in der „Rheinischen Post“ (1. 11. 2018) Umrüstprämien für Binnenschiffe. Zwar ist die Seeschiffsfahrt im Vergleich zur Binnenschiffsfahrt puncto Schadstoffemissionen weitaus schädlicher, da Schweröl verbrannt wird (bei Binnenschiffen handelt es sich meistens um Schiffsdiesel). Dennoch besteht bei der Binnenschiffsfahrt in Bezug auf die ausgestoßenen Luftschadstoffe seit Jahren deutlicher Nachholbedarf.